Tudo bem! Vom etwas anderen Arbeitsalltag in Brasilien

Tudo bem! Vom etwas anderen Arbeitsalltag in Brasilien

„Tudo bem?“ Mit der brasilianischen Variante von „Alles klar?“ begrüßt ARD-Korrespondent Michael Stocks stets seine Zuschauer, wenn er vom Zuckerhut oder der Copacabana aus berichtet. Und genauso begrüße ich euch aus dem brasilianischen Sao Paolo. Allerdings nicht um von Rezession, Zika-Virus oder Korruption zu berichten, sondern um einen Einblick in meinen Arbeitsalltag bei TÜV Rheinland in Südamerika zu geben – und die Herausforderungen im regionalen Tagesgeschäft zu schildern.

Vor rund einem Jahr habe ich mich aus dem komfortablen Firmensitz in Köln herausgewagt und bin in das „Abenteuer Südamerika“ eingetaucht: In Sao Paulo kümmere ich mich als regionaler Kaufmann um die operativen Finanzangelegenheiten des TÜV Rheinland in Südamerika. Obwohl ich beruflich schon mehrfach im Ausland war und viele kulturelle Unterschiede erlebt habe, bietet dieser Kontinent seine ganz eigenen Besonderheiten und Überraschungen.

Einfach selber machen!

Jedem, der glaubt, das Arbeitsleben hier bestehe nur aus Caipirinha, Beach Life und Relaxen, sei direkt gesagt: Ihr liegt ganz schön daneben. Bei TÜV Rheinland in Sao Paolo heißt es nämlich vor allem „anpacken“! Das engagierte Team an Kaufleuten, Controllern und Buchhaltern denkt nie negativ „vom Problem her“, sondern glaubt positiv an die Lösung.

Das Schöne für mich ist dabei: Im kleinen Team mit flachen Hierarchien kann man hier „einfach loslegen“, neue Ideen umsetzen und wirklich etwas bewegen – und die Herausforderung ist riesig. Gemessen werden wir hier an unseren Ergebnissen. Das ist für mich das ideale Maß an Freiheit und Umsetzungskompetenz.

Jeden Tag etwas Neues

Die vielleicht größte Herausforderung für TÜV Rheinland in Brasilien ist, dass viele Standards, die in der deutschen Firmenzentrale bereits als selbstverständlich gelten, hier erst sorgsam implementiert, geschult oder auf lokale Besonderheiten angepasst werden müssen.

Das heißt aber nicht, dass die Menschen in irgendeiner Form weniger klug wären. Vielmehr müssen sie Neues hochflexibel umsetzen, ohne dabei den Gruppenstandard aus den Augen zu verlieren. Gemeinsam arbeiten wir daran, den Erfolg des Forderungsmanagements und die Qualität der Berichterstattung zu steigern, Prozesse durch Gruppen-IT-Standards zu automatisieren und Bilanzrisiken der Vergangenheit zu eliminieren.

Wenn die Umsetzung einmal etwas länger dauert als gedacht, dann liegt das nicht an Faulheit oder fehlendem Willen, sondern daran, dass erst die richtige Herangehensweise gefunden werden muss. Meine brasilianischen Kollegen sind sehr wissbegierig und dankbar für Hilfestellungen. Das beflügelt die Arbeit ungemein und hat binnen weniger Monate bereits positive Früchte getragen. So konnten wir unter anderem Finanzprozesse optimieren und SAP Standards realisieren.

Ein anderes Zeitgefühl

Viele haben sicher schon davon gehört, und ich kann es bestätigen: Brasilianer und Deutsche haben ein unterschiedliches Zeitverständnis. Das betrifft nicht nur das Thema Pünktlichkeit, etwa bei Verabredungen, sondern genauso Liefertermine: In Brasilien werden Deadlines nämlich – wie in vielen anderen südamerikanischen Ländern auch – eher als eine Empfehlung betrachtet, nicht als ein absolutes Limit.

Das war in den Anfangsmonaten für mich schwer zu verstehen. Bis wir eine Lösung fanden. So haben wir Corporate Deadlines einfach zwei Tage vorverlegt. Damit waren wir dann am Ende für die gesamte Gruppe „pünktlich“ in der Umsetzung.

Während in Deutschland eher langfristig und perfektionistisch geplant wird, arbeitet man in Brasilien häufiger spontan und improvisiert auch schonmal. Hier treffen sozusagen die deutschen Meister der Perfektion auf die brasilianischen Meister der Improvisation und Flexibilität. Beispielhaft für diesen feinen Unterschied ist der schwer zu übersetzende Begriff „jeitinho Brasileiro“. In Köln würden wir darunter wohl „klüngeln“ verstehen. In Sao Paolo bedeutet es jedoch so viel wie „eine Lösung oder einen Ausweg finden“.

Erfolgreiche internationale Projekte

Durch die Begeisterungsfähigkeit, den offenen Austausch und eine neue Feedbackkultur mit meinen Kollegen haben wir als Team bereits zahlreiche Neuerungen umgesetzt und ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Zu unseren Erfolgen gehören die Umsetzung von gemeinsamen IT/SAP Projekten, eine immer besser funktionierende Interaktion mit den operativen Kollegen, die Harmonisierung von Prozessen, qualitativ gute Monatsabschlüsse und fristgerechte Budgetphasen. Das bringt viel Stress und auch Diskussionen mit sich, aber schließlich haben wir alle ein gemeinsames Ziel vor Augen: Wir wollen besser werden!

Dass hier in Sao Paolo so vieles neu entwickelt wird, macht für mich den großen Reiz an meiner Arbeit für TÜV Rheinland in Brasilien aus. Eingefahrene oder bürokratische Prozesse existieren quasi nicht, stets kommen ad-hoc Fragen auf, die wir rund 10.000 Kilometer vom Hauptquartier entfernt alleine beantworten und wozu sich alle Mitarbeiter hier bereiterklären. Eine beeindruckende Identifikation mit TÜV Rheinland.

Selbst nach über einem Jahr in Brasilien ist für mich jeder Tag hier eine „Wundertüte“. Ich liebe diese Herausforderung. Daher: „Tudo bom!“

 

Thomas_Metzen 

Thomas Metzen – Gastautor

1 Kommentar

  1. Danke für diese interessanten Einblicke!

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