Mobile Office – arbeiten, wenn das Kind zu Hause ist? - TÜV Rheinland

Mobile Office – arbeiten, wenn das Kind zu Hause ist?

Mobile Office – arbeiten, wenn das Kind zu Hause ist?

Eine Frage, die mir schon häufiger gestellt wurde, wenn ich von den Vorteilen des Mobile Office spreche, ist: „Ja, kannst Du denn arbeiten, wenn dein Kind zuhause ist?“. Die Antwort darauf ist denkbar einfach: „Nein!“

Mobile Office = Hausarbeit?

Natürlich kann ich das nicht. Ich arbeite dann, wenn mein Kind betreut wird. Wäre es zu Hause, würde ich es höchstens schaffen, mal kurz meine Mails auf dem Diensthandy zu checken. Sorry, an dem Punkt bin ich leider überhaupt nicht multitaskingfähig.

Vor meinem beruflichen Einstieg bei TÜV Rheinland habe ich für längere Zeit in Großbritannien gearbeitet. Dort war Home Office Büroarbeitenden schon in den 2000er Jahren geläufig und unkompliziert möglich. Zurück in Deutschland habe ich mich dann manches Mal gewundert, wie groß noch immer die Vorbehalte diesbezüglich sind. Und die genannte Eingangsfrage zeigt, dass anscheinend für viele Menschen die Arbeit im Mobile Office ein Synonym für Kinderbetreuung, Frühjahrsputz oder Rasenmähen ist.

Pendeln ist voll im Trend

Glücklicherweise stelle ich seit einiger Zeit fest, dass sich diese Einstellung ändert. Und das ist gut so! So würden beispielsweise mein Mann und ich ohne die Möglichkeit, jeweils ein bis zwei Tage im Mobile Office zu arbeiten, bei einer 5-Tage-Woche zusammengenommen 2.150 Kilometer pro Woche pendeln und dafür durchschnittlich 33 Stunden aufwenden. Es ist fraglich, ob wir dieser Belastung über einen längeren Zeitraum gesundheitlich und familiär gewachsen wären.

Klar, das ist der pure Wahnsinn der modernen Zeit. Statistiken zeigen jedoch, dass wir uns in guter Gesellschaft befinden. Eine aktuelle Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt, dass der Trend zum Pendeln deutlich zunimmt. Aktuell arbeiten 12,6 Millionen Beschäftigte außerhalb ihres Stadt- oder Landkreises und müssen daher pendeln. Ebenso ist die durchschnittliche Länge des Arbeitsweges seit dem Jahr 2000 von 14,8 auf 16,9 Kilometer im Jahr 2018 gestiegen (Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung).

Mobile Office: Win-Win für Gesundheit und Klima

Sicherlich, wer für seine Arbeit vor Ort sein muss, kann von den Vorteilen des Mobile Office nicht profitieren. Aber ein Tag Mobile Office pro Woche hat mein Leben deutlich erleichtert. Am allerwichtigsten: meine Wegedauer ist an diesem Tag planbar. Hole ich mein Kind von der Schule ab, schwinge ich mich einfach aufs Fahrrad anstatt mit aufsteigender Panik, dass ich die Abholzeit verpasse, im Stau auf der Autobahn zu stehen. Das macht sich gesundheitlich positiv bemerkbar. Ich bewege mich mehr und habe seitdem weniger Rückenprobleme. Generell fühle ich mich entspannter. Gerade in der Dunkelheit bei schlechten Wetterverhältnissen kann das Fahren sehr anstrengend sein und ein Tag pro Woche ohne die Hektik des Berufsverkehrs tut gut.

Auch für den Klimaschutz ergibt es Sinn. Ein Gutachten des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat ergeben: Wenn 10 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeiten würden, ließen sich rund 4,5 Milliarden Kilometer Pendlerstrecke und ca. 850 Millionen Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen. Bleibt das Auto stehen, würde dies auch generell den Verkehr in Ballungsräumen entzerren.

Vor Ort und im Mobile Office – Abwechslung ist wichtig

Selbstverständlich hat das Mobile Office auch seine Tücken. Ich verstehe, dass nicht jeder damit gut klarkommt, da es eine entsprechende Disziplin fordert und man alleine zuhause sitzt. So schätze ich nach einem Tag im Mobile Office um so mehr die im Büro vorhandene Infrastruktur und Gelegenheiten, sich persönlich mit den Kollegen beim Mittagessen zu treffen.

Aber in Zeiten, in denen Teams global verteilt sind und man mit den internationalen Kollegen per Skype und Telefon manches Mal mehr Kontakt hat als mit den direkten Kollegen vor Ort, ist es nicht mehr so wichtig, ob im Meeting alle mit am Tisch sitzen oder per Skype zugeschaltet sind.

Gab es früher die goldene Büroregel „Wer am längsten bleibt, gewinnt“, so ist die Situation heute nuancierter. In meinem direkten Arbeitsumfeld und im Gespräch mit Freunden merke ich, dass immer mehr Vorgesetzte umdenken. Die Führungskräfte machen den Wert ihrer Mitarbeitenden nicht an ihrer Anwesenheitsdauer im Büro fest, sondern daran, wie sie sich einbringen und wie ihre Arbeitsteilung ist.

Die Zeiten ändern sich – gut so!

Was für ein Glück, dass mein Vorgesetzter bei TÜV Rheinland selbst mit gutem Beispiel vorangeht und diese Form der Arbeitsorganisation versteht und schätzt. Das nimmt den Rechtfertigungsdruck von uns Mitarbeitenden.

Dass sich etwas verändert hat, habe ich übrigens auch daran gemerkt, dass mich schon länger niemand mehr gefragt hat, ob ich denn Arbeiten könne, wenn mein Kind zu Hause ist. Die Antwort ist weiterhin: „Nein!“.

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich würde so gerne weniger CO2 in die Luft blasen. Bei 60 Km täglich kommt da ja einiges zusammen. Leider sind die Bedenken gegen das Mobile Office bei uns in der TIS noch groß. Ich hoffe, Ihr Artikel stößt etwas an. Es gibt noch viel zu tun!

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  2. Ich hoffe und wünsche mir, dass sich bei der TIS dahingehend auch etwas verändern wird. Leider ist die Idee bzw. der Trend hier noch eher “ungern gesehen”. (Natürlich kann ich nicht für die gesamte Gesellschaft sprechen.)

    Alles soll moderner & mobiler werden. Also warum nicht auch moderne, flexible Arbeitsplätze?

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  3. Das ist wirklich ein toller Artikel der mir aus der Seele spricht. Leider steht die Kraftfahrt dem Thema Home Office aktuell ablehnend gegenüber. Ich hoffe hier wird noch ein Umdenken stattfinden.

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  4. Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen. Zwar lege ich täglich keine 60 km zurück aber auch in unserer Region der TIS gibt es einige Mamas die sehnsüchtig auf einen positiven Wandel bzgl. der Möglichkeit warten.
    Momentan scheint es nur den führenderen Ebenen vorbehalten zu sein, was sehr schade ist..

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  5. Das Arbeiten im Homeoffice hat viele Vorteile. Nicht nur wegen dem Pendelverkehr und Stauzeiten.
    Ich schaffe daheim immer schon mehr als im Büro. Vor allem im Vertrieb ist das sehr gut umsetzbar und Telefonkonferenzen mit Kunden sind ungestört wertvoller.
    Kontakt zu den Kollegen erfolgt jederzeit – man sieht sich zwar nicht, ist aber über die Medien stetig im Austausch und Kontakt.
    Und wenn mein Kind daheim ist, schaffe ich genauso viel. Mein Sohn weiß sich seit je her zu beschäftigen und weiß, dass die Arbeit vorgeht. Ein generelles “NEIN” kann ich hierzu nicht unterstreichen. Das kommt ganz aufs Kind, uns und unsere Disziplin an.

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  6. Danke für Ihre / Eure anregenden Kommentare. Sie unterstreichen wie sehr das Thema viele von uns im wahrsten Sinne des Wortes „bewegt“ – nicht nur Eltern sondern auch Berufspendelnde generell. Da der Bedarf nach einer flexibleren Arbeitsgestaltung bei vielen Berufstätigen wächst, kann es für Unternehmen wirklich nur vorteilhaft sein, hier zu umfassenden und einheitlichen Lösungen zu kommen. Bei TÜV Rheinland arbeiten wir daran! Ich bin positiv gespannt.

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