Mission Hawaii: Alles ist möglich

Mission Hawaii: Alles ist möglich

Man sagt, der Ironman auf Hawaii ist der härteste Triathlon der Welt. Jeder Triathlet möchte einmal daran teilnehmen. Ich habe mir meinen Traum am 10. Oktober 2015 erfüllt. Schon bei der Ankunft auf Big Island, dem Austragungsort des Ironman, kommt man direkt mit dem Slogan „Anything is possible!“ – Alles ist möglich! – in Berührung. Wie sehr diese Worte für mich Bedeutung erlangen würden, wurde mir erst später bewusst.

Ironman seit 1978

Der Ironman Hawaii ist der älteste Triathlon über die Langdistanz, mit 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen. Er findet bereits seit der Erstaustragung 1978 auf der Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean statt. Seit 1982 wird er alljährlich unter der geschützten Bezeichnung Ironman World Championship im Oktober auf Big Island ausgerichtet. Sowohl Amateure als auch Profi-Triathleten müssen sich dafür bei weltweiten Wettbewerben qualifizieren.

Ich hatte mich im Juli 2015 beim Ironman Frankfurt als Vizeeuropameisterin meiner Altersklasse qualifiziert. Ich war aufgrund der dortigen Temperaturen von über 40 Grad guter Dinge, dass ich auch mit den klimatischen Bedingungen auf Hawaii gut zurechtkommen würde.

Lavawüste und offenes Meer: Herausforderung der besonderen Art

Neben der Länge der Wettkampfstrecke auf Hawaii und den daraus resultierenden mentalen und physischen Anforderungen stellt besonders das Klima große Herausforderungen an die Sportler: Man läuft in der heißen Lavawüste und schwimmt im offenen Meer samt Wellengang und Strömung.

Die Ho’o-Mumuku-Winde – unvorhersehbare böige Seitenwinde mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h – erschweren die Bedingungen auf der Radstrecke erheblich. Temperaturen von weit über 30 °C und eine extrem hohen Luftfeuchtigkeit machen die schattenlose Laufstrecke zum Backofen.

Dampfsauna Aloha!

Um mich entsprechend zu akklimatisieren, bin ich bereits zehn Tage vor dem Wettkampf angereist. Der Pilot begrüßte uns beim Landeanflug auf Big Island mit den Worten „Welcome to humidity!“ Und tatsächlich empfing uns Hawaii beim Aussteigen aus dem Flieger als Dampfsauna.

Jeder wird mit dem typischen Lei-Blumenkranz begrüßt. Spätestens da haben mich meine Emotionen überwältigt: Freudentränen und sehr viel Dankbarkeit an alle, die mich auf dem Weg unterstützt haben. All die zahlreichen Trainingskilometer, alle Zweifel und Mühen haben sich gelohnt, um hier dabei zu sein.

Keine Delfine, aber viel Gegenwind

Die Akklimatisationstage habe ich für vielerlei Dinge genutzt. Natürlich habe ich mein übliches Training fortgesetzt und habe dabei einiges erlebt. Ich bin beispielsweise in einer für ihre Delfine bekannten Bucht geschwommen. Die Meeressäuger habe ich leider an diesem Tag nicht gesehen. Im Gespräch mit einer erfahrenen Athletin erfuhr ich, dass die Delfine nur kommen, wenn keine Haie da sind. Schluck! Glücklicherweise bin ich keinem Hai begegnet.

An einem Tag bin ich auf dem Highway Rad gefahren, wo der Wind dermaßen stark war, dass man fast keine Luft mehr bekam und die Palmen sich im 90-Grad-Winkel umbogen. Der Gegenwind erlaubte nicht einmal 10 km/h Geschwindigkeit unter Volllast!

Verschwitztes Schaulaufen am Strand

Das Lauftraining auf der Promenade, dem Ali’i Drive, glich einem Schaulaufen. So viele fitte Menschen auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen. Und das bei dem Wetter: Normalerweise schafft man es, durch die Geschwindigkeit seine Körperfeuchtigkeit zu regulieren. Auf der Promenade ohne jeglichen Windhauch bewegt man sich jedoch tropfend in seinem eigene Saft. Sogar beim Sitzen am Pool, am Strand, im Café oder auch nachts im Bett: Man schwitzt eigentlich die ganze Zeit und trinkt ständig. Kleidung benötigt man nur wenig, leichte Topps und kurze Beachshorts reichen. Selbst die Nächte sind schwülwarm, nur ohne Sonne.

Im Reiseführer ist die beste Reisezeit für Hawaii von Januar bis Dezember angegeben. Jahreszeiten gibt es keine, die Sonne geht das gesamte Jahr über gegen 6 Uhr früh auf und gegen 6 Uhr abends unter. Und das immer mit spektakulären Farben, so dass jedes Foto zum Volltreffer wird. Überhaupt findet man hier eine farbenprächtige Natur mit Blumen und tropischen Gewächsen, aber auch mit schroffen Lavagestein und karger Vegetation. Ein süßlicher Duft, helle Farben und entspannte Menschen machen das besondere „Aloha-Gefühl“ aus. Ich bin Schildkröten und Delfinen, bunten Fische und Korallen, aber auch einem Hai ganz nah gekommen.

Die Spannung steigt!

Je näher der Wettkampf rückt, desto verrückter wird der Austragungsort Kona. Mehr und mehr Athleten reisen an. Auch die Events lassen die Spannung jeden Tag steigen: Schwimmen zu Kaffeebooten, Trainings- und Talkrunden mit den Triathlon-Stars, die lautstarke Nationen-Parade, bei der wir Sachsen sogar eine eigene Fahne dabei hatten. Der Underpants-Run, bei dem in kreativer Unterwäsche gelaufen wird, nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Sportausrüster, die mit Geschenken und extremen Rabatten wetteifern bis hin zum Check-In des Wettkampfmaterials am Vortrag: Alles ist perfekt organisiert und macht Spaß.

Auf Los geht’s Los!

Der Wettkampftag beginnt morgens um 4:45 Uhr mit der Startnummern-Kennzeichnung auf den Oberarmen. Der Wettkampf startet in vier Gruppen von 6:25 Uhr bis 7:10 Uhr im offenen Meer. Mit der letzten Welle und einem lauten Kanonenknall beginnt mein Rennen. Bei den meisten Massenstarts kommt es anfangs zu Rempeleien und kleinen Kämpfen, aber hier kämpft man über die gesamte Strecke mit Armen und Beinen anderer Athleten, bekommt Tritte ab, wird gekratzt oder mit dem Kopf unter Wasser gedrückt.

Hinzu kommt das aggressive Salzwasser, was meine Haut schon bei Streckenhälfte angreift, und auf dem Rückweg eine extreme Strömung, die einen gefühlt auf der Stelle bewegen lässt. Als ich aus dem Wasser klettere, ist mein Nacken durch das Salzwasser wund. Mir ist klar, dass die nächsten Stunden mit Sonne und Schweiß für meine Haut nicht schmerzfrei bleiben werden.

Auf dem Rad durch die Lavafelder

Nun heißt es schnell auf der Radstrecke die Routine gewinnen. Kurzes Abduschen, großzügig Sonnencreme auf dem ganzen Körper verteilen, Rad im Wechselgarten finden und dabei nicht auf dem rutschigen nassen Teppich ausrutschen. Helm auf und Verpflegung ins Trikot stecken, aufs Rad steigen und die Hektik auf der Radstrecke in der Stadt hinter mir lassen.

Dann raus auf den Highway durch die Lavafelder bis hin zum Wendepunkt und nach der Hälfte der Strecke zurück. Hier ist man auf sich selbst gestellt, 180 km auf dem brennenden Asphalt. Auf dem Rückweg habe ich mit den gefürchteten Gegen- und Seitenwinden zu kämpfen, die meine Endzeit mehr und mehr verlängern. Das Radfahren fühlt sich hart und sehr kräfteraubend an.

Meine Lieblingsdisziplin: Laufen

Bei meiner abschließenden Lieblingsdisziplin galt für mich bis dato immer, wenn ich es bis hier hin geschafft habe, ist der „Rest“ kein Problem. Entsprechend geht der Marathonlauf gut für mich los, das Laufen fühlt sich zwar anstrengend an, aber ich die Strecke scheint machbar. Bei km 17 winke ich noch fröhlich.

Aber dann passiert es: Bei km 20 will mein Körper schlagartig nicht mehr. Ich bin gegen die berühmte „Wand“ gelaufen. Keinen Schritt will ich mich mehr bewegen. Das „Medical Car“ fährt an mir vorbei und scheint mir zuzurufen: „Winke mich zu dir ran, dann ist die Quälerei vorbei.“ Der Kopf jedoch sagt: „Das kann hier nicht zu Ende sein, das muss doch weiter gehen.“ Meine Gedanken an alle, die zu Hause mitfiebern, treiben mich weiter.

An den Verpflegungsständen nehme ich Salz und zuckerhaltige Getränke zu mir. 10 km gehe ich, statt zu laufen. Diese Strecke kostet mich schlussendlich zu viele Plätze für ein Toppergebnis, aber ich halte durch. Und wie durch ein Wunder laufe ich mit der 2. Luft dann doch noch die letzten 10 km im flotten Tempo, so dass ich das Rennen mit positiven Emotionen beenden kann.

Aufgeben? Niemals!

Jetzt kann ich sagen: Der Ironman auf Hawaii war definitiv mein härtestes Rennen bisher. Der lokalen Presse erkläre ich nach dem Rennen: „Nicht das erhoffte Ergebnis, aber ein Sieg über mich selbst! Ich bin circa 100 Mal auf dem brennend heißen Highway gestorben und 100 Mal wieder aufgestanden.“ „Onipaá“: Das ist das Motto des Ironman 2015 gewesen und bedeutet: Entschlossenheit, Kraft, Ausdauer und niemals aufgeben. Das habe ich getan und bin sehr stolz darauf.

„Anything is possible!“

Manuela Süß

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