Kulturclash Japan: Echt jetzt?!

Kulturclash Japan: Echt jetzt?!

Meine erste Woche in Japan war eine Achterbahn der Gefühle – vor allem, was die Naturereignisse angeht. Normalerweise arbeite ich in Köln und wohne bei Aachen. Das bedeutet zum einen, dass ich in einem sehr erdbebensicheren Gebiet lebe. Zum anderen heißt es, dass sich auch ansonsten Naturschauspiele eher in Grenzen halten. Selbst wenn das Klima sich bei uns schon deutlich geändert hat.

Zwei Taifune = zwei Regenschirme

Mein Bedarf an Wetterereignissen war also scheinbar noch nicht gedeckt. Und noch als ich am Flughafen in Yokohama an der Gepäckausgabe stand, informierte mich mein Chef, der gerade auch in Japan arbeitete, dass gleich zwei(!) Taifune auf die japanische Küste zurollten. Er sendete mir noch ein Satellitenfoto aufs Handy, was dann endgültig meine Hoffnung auf einen Scherz zunichtemachte. Zwar habe ich schon Stürme erlebt, aber gleich ZWEI Taifune? Und ich hatte den Flughafen noch nicht mal verlassen. Mit mulmigem Gefühl im Bauch sagte ich leise vor mich hin: „Echt jetzt?!“

Glücklicherweise wurde ich von einem Fahrer abgeholt, der mich zu meinem kleinen Appartement brachte. Auch er berichtete von den Taifunen, die zu dieser Zeit aber total normal seien. In der Regel drehten die Stürme vor der Küste ab und äußerten sich nur in starken Windböen und Dauerregen, klärte er mich auf. Ach so. Im Appartement angekommen, zeigte mir der japanische Fahrer ganz ausführlich die Wohnung und drückte mir zum Abschied zwei Regenschirme in die Hand. Warum zwei Schirme? Naja – falls der eine kaputt geht bei dem Wetter. Und da war sie: die berühmte Gastfreundschaft der Japaner!

Meine ganz persönliche Schutzausrüstung

Weiter ging es mit den Naturereignissen an meinem ersten Tag im Büro – wenngleich noch indirekt. So wunderte ich mich anfangs noch über den knalligen, orangefarbenen Turnbeutel mit Helm obenauf, der am Arbeitsplatz lag. Ich dachte zuerst noch, dass die Japaner eine sehr interessante persönliche Schutzausrüstung (PSA) haben. Aber wofür ich nun im Labor einen Helm benötigen würde sowie Kekse, Taschenlampe und eine Flasche Wasser, das erschloss sich mir im ersten Moment noch nicht.

Das verstand ich dann erst am darauffolgenden Samstagmorgen: Ich wurde wach und merkte direkt, dass irgendetwas komisch war. Es fühlte sich an, als hätte man mein Bett über Nacht auf einen fahrenden Lkw verfrachtet. Es wankte und schwankte heftig. Ein Erdbeben! Da waren wieder die Worte in meinem Kopf: „ECHT JETZT?!!“

Mein ganz persönliches Erdbeben

Bei uns in Deutschland sind Erdbeben einfach nicht in den Köpfen verankert. Das merkte ich allein schon daran, dass ich tatsächlich kurz überlegen musste, was nun zu tun ist. Nach einer gefühlten Unendlichkeit fiel mir dann ein, dass man sich unter den Tisch hockt oder zumindest in einen Türrahmen stellt, um sich vor herunterfallenden Teilen zu schützen. Als ich gerade unter den Tisch springen wollte, war das Erdbeben (leicht bis mittelschwer) auch schon wieder vorüber. Ich habe es also – fast – verschlafen.

Nach einem kurzen Moment des Wartens schaute ich aus dem Fenster. Die Japaner kamen wieder aus ihren Häusern heraus und wirkten sehr entspannt. Das war für mich auch das Zeichen, dass dann doch alles in Ordnung sein musste. Jetzt ahnte ich aber auf jeden Fall, wofür der knallige Beutel am Arbeitsplatz da sein musste. Und hoffte, ihn während der kommenden drei Monate nicht brauchen zu müssen.

Tja – ich war in Japan angekommen. Wohin sollte diese Reise mich noch führen?

 

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