Ironman in Frankfurt: Vom heißesten Tag meines Lebens

Ironman in Frankfurt: Vom heißesten Tag meines Lebens

Wo fängt man bei so einem Bericht zum längsten Tag im Sportlerdasein an? Schreibt man chronologisch alles auf, was einem so widerfährt? So ein Ironman beginnt ja eigentlich viel eher – nämlich ein Jahr davor, wenn man sich kurz vor Ausverkauf aller Startplätze anmeldet und mit dem Training beginnt. Daher zunächst ein riesen Dankeschön an alle, die mich in den vielen Monaten der Vorbereitung unterstützt haben: Mein lieber Mann, der meine Launen, Zweifel und Rückschläge erträgt. Meine Familie und Freunde, die akzeptieren, dass ich mal wieder keine Zeit habe. Und natürlich alle, die mitgefiebert, Daumen gedrückt und sich mit mir gefreut haben.

Extreme Bedingungen

Nachdem ich im letzten Jahr bei meiner ersten Langdistanz schon mit Hitze zu kämpfen hatte, war auch beim Ironman Frankfurt schnell klar, die Bedingungen werden wohl nicht besser. Ganz im Gegenteil: Prognostizierte Temperaturen von 40 Grad ohne Schatten, Neoprenanzugverbot beim Schwimmen, da das Wasser mit 27 Grad viel zu warm war, und diverse Sorgen von Eltern und Freunden, was ich mir da antue und ich solle doch ja auf mich aufpassen. Ich beschäftigte mich nochmal eingehend mit den körperlichen Reaktionen bei Hitze und nahm mir vor, auf mich und Signale zu achten und das Rennen entsprechend vernünftig anzugehen.

Vor dem Start blickte ich ehrfürchtig auf die Massen mit blauen und roten Badekappen. Die Nationalhymne trieb mir ein paar Tränchen in die Augen und dann ging es ab ins Wasser. Die erste Disziplin, das Schwimmen über 3,8 km, beginnt meist mit Hauen und Stechen auf den ersten Metern. Wichtig ist hier, sich beim Kampf um eine gute Ausgangsposition nicht Badekappe und Schwimmbrille vom Kopf schlagen zu lassen und schnell den Rhythmus zu finden. Nach 1:07 h und an Position 6 meiner Altersklasse hatte ich meine „Angstdisziplin“ geschafft.

„Kopfsteinpflaster des Grauens“

Schneller Wechsel aufs Rad und erst mal entspannt essen. Das klappte sehr gut, da man zunächst fast nur geradeaus nach Frankfurt hinein rollt. Durch das Abfahren der Radstrecke mit dem Auto kannte ich zumindest die wichtigsten Passagen der Strecke. Die ca. 500 m lange Kopfsteinpflasterpassage genannt „The Hell“ verdient ihren Namen zu recht. An dieser Stelle kommt es in jedem Jahr zu den meisten Pannen. Und wir reden hier nicht über platte Reifen, sondern über Gabelbrüche, abgefallene Schaltungen und Bremsen, umherfliegende Flaschen, Luftpumpen, Ersatzschläuche, Energiegels etc.

Nach der ersten Radrunde war ich auf Position 3 vorgefahren, der Abstand zur Spitze 3 min. Leider hat es mich dann bei der zweiten Durchfahrt von „The Hell“ materialtechnisch erwischt. Die Radcomputerhalterung inklusive Gerät sowie mein Flaschenhalter samt Flasche brachen ab – *Fluch* – In Bruchteilen von Sekunden entscheidet man, was man macht. Ich entschied mich für einen kurzen Stopp am Bike Service. Man darf keine Hilfe von außen annehmen und muss (auch als Frau ;-)) alles selbst reparieren.

Den Radcomputer habe ich notdürftig mit Panzerband befestigt. Die ganze Aktion hat mich ca. 4 min gekostet. Den Flaschenhalter ließ ich zurück, was sich am Ende der 180-km-Radstrecke mit Dehydrierung rächte. Die Hitze wurde echt unerträglich. Mit einem überhitzten Gefühl bin ich dann immer noch als 3., aber mit mittlerweile 10 min Rückstand auf die Spitze, vom Rad runter und rein in meine geliebten Laufschuhe.

Eiswürfel, kühlende Helfer

4 Laufrunden am Main über eine Distanz von 42,2 km in der brütenden Hitze von mittlerweile mehr als 40 Grad, und keine Wolke am Himmel. Meine zeitlichen Ambitionen hatte ich schnell begraben. Mir war klar, heute ging es nur darum, wer der Hitze am längsten trotzen kann. Ich lief von Verpflegungsstand zu Verpflegungstand, immer mit demselben Ablauf: Kopf mit Wasser kühlen, Wasser und Cola trinken, Eiswürfel in die Kleidung stecken, nochmal Wasser über den Kopf und weiter. Anfang der 2. Laufrunde bin ich dann auf den 2. Platz vorgelaufen. Die Dehydrierung machte sich durch dicke weiße Wurstfinger bemerkbar, also entschied ich mich für ein paar Schübe Salz an den nächsten Verpflegungsstellen.

Vizeeuropameisterin: Unglaublich!

Ich habe trotz der unmenschlichen Bedingungen nie daran gezweifelt, dass ich es schaffe. Der Zieleinlauf war einfach nur emotional und unbeschreiblich toll. Unfassbar! Vizeeuropameisterin meiner Altersklasse, Hawaii-Slot! Völlig überwältigt.

Im Ziel musste ich dann gleich zur Dopingkontrolle. Es ist echt schwierig, nach 10 Stunden Belastung bei 40 Grad 90 ml Urin abzugeben. Hat bei mir 1,5 Stunden gedauert! Zumindest ist man in einem klimatisierten Raum und hat genügend Essen und Trinken, trifft die Stars der Szene und plauscht ein bisschen.


Am nächsten Tag bei der Siegerehrung und Slotvergabe gab es noch eine Extraüberraschung für mich. Als schnellste Gipfelstürmerin habe ich für eine Woche einen Mercedes V-Klasse inkl. Hotel-Übernachtung gewonnen. Über unerwartete Dinge freut man sich meist noch mehr.

Die extremen Bedingungen machten mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass mein Körper das alles mitmacht: Vizeeuropameisterin, drittbeste Altersklassen-Athletin, achtbeste Deutsche, 13. Frau gesamt, 10:12 h, und es geht nach Hawaii – einfach nur überglücklich!

Aloha Manuela Süß

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