Genial! Schülerpraktikum als Chemielaborant

Genial! Schülerpraktikum als Chemielaborant

Chemische Analytik zum Anfassen: Mein Schülerpraktikum habe ich in den Laboren von TÜV Rheinland in Köln verbracht. Und für diese drei Wochen gibt es eigentlich nur ein Wort: Phänomenal! Allein die Atmosphäre in den verschiedenen Laboren war überwältigend. Meine Kolleginnen und Kollegen waren dankbar für meine helfende Hand und haben zugleich versucht, den Aufenthalt für mich so abwechslungsreich und anschaulich wie möglich zu gestalten. Und das ist ihnen gelungen.

Meine Hoffnung war es im Vorfeld, einmal die Arbeit in einem großen Labor mitzuerleben und zu begreifen, wie viel Arbeit in der Überprüfung von Produkten steckt. Würde mir der Beruf des Laboranten auch tatsächlich liegen? In meiner Vorstellung war das jedenfalls so.

Chemische Probenvorbereitung: Pipettieren ist toll

Die erste Woche verbrachte ich in der chemischen Probenvorbereitung. Hier werden verschiedene Materialien mit Lösemitteln versetzt, um danach analysiert zu werden. Eine meiner Hauptaufgaben war es, die kleinen Gefäße mit Etiketten zu versehen und nach der im System vorgeschriebenen Reihenfolge zu ordnen. In diesem Labor werden täglich bis zu zwölf verschiedene Parameter getestet: Stecken Schadstoffe wie Weichmacher oder Chlorparafine in den Produkten? Das wollten wir herausfinden.

Nachdem ich mich mit allen Geräten und Sicherheitsvorschriften vertraut gemacht hatte, durfte ich zusammen mit Kolleginnen unterschiedliche Proben lösen und pipettieren. Das war wohl mit Abstand die beste Tätigkeit meines Praktikums! Der Umgang mit der Pipette verlangt Fingerspitzengefühl und wird auch nach Stunden nicht langweilig.

Bei meiner Arbeit im Labor fand sich zu meiner Überraschung auch sehr viel Schulchemie wieder. Es ist eine Erleichterung festzustellen, dass man das Gelernte tatsächlich auch auf der Arbeit anwenden kann.

Sicherheitsstufe 2 im Mikrobiologie-Labor

Im Mikrobiologie-Labor konnte ich leider nur zwei Tage verbringen. Ein enormer Unterschied im Vergleich zur chemischen Probenvorbereitung. Hier sind die Hygiene- und Sicherheitsstandards sehr viel höher, was meine Mitarbeit eingeschränkt hat.

In diesem Labor gilt Sicherheitsstufe 2. Das bedeutet, dass hier sowohl mit Bakterien als auch mit Pilzen gearbeitet wird. Bei einer Krankheitsübertragung sind sie aber sehr gut mit Antibiotika zu behandeln. Auch die Abzüge in diesem Labor sind noch offen und werden auch ohne Handschuhe benutzt. In Sicherheitsstufe 3 Laboren kommen dann geschlossene Abzüge und teilweise auch Viren ins Spiel, bei Stufe 4 sogar Erreger wie Ebola oder Pest.

Bakterien zählen für Anfänger

Die Arbeit der Mikrobiologie funktioniert im Wesentlichen so, dass man in der Natur, in Gebäuden, in Klimaanlagen oder in Wasserbecken Proben nimmt, diese auf abgepassten Nährböden wachsen lässt und anschließend schaut, ob und wie viele Bakterien oder Pilze sich gebildet haben. Die oft mit der Hand abgezählten Bildungsansätze werden mit entsprechenden Grenzwerten verglichen. Neben Umweltproben werden aber auch verschiedene Produkte untersucht, vor allem Kosmetikprodukte wie Lippenstift oder Cremes.

Trotz großer Einschränkungen wegen der hygienischen Voraussetzungen durfte ich einzelne Proben auf Nährböden verteilen und sogar einige fertige Ergebnisse auszählen. Am zweiten Tag haben wir dann eine Werkbank auf die Dichte von Bakterienkolonien bei Experimenten hin untersucht. Die Tätigkeiten in der Mikrobiologie lagen mir zwar nicht so sehr, jedoch war die Gegebenheit, mit Lebewesen zu arbeiten, deutlich interessanter als der Chemikalienumgang.

Kochtöpfe und Windeln im Test

Die letzten fünf Tage habe ich im Labor für Lebens- und Futtermittelbedarfsgegenstände verbracht. Wie der Name schon sagt, werden hier Produkte und Gegenstände geprüft, die mit Lebensmitteln oder mit der Haut in Kontakt kommen. Sehr häufige Testobjekte sind Behälter für Essen, Kochutensilien und Hygiene-Produkte wie Windeln und Binden.

Über den Laboralltag hinaus durfte ich im Praktikum auch einmal die Oberflächenmaterialien meines Portemonnaies ermitteln und Turnschuhe mit der Beilsteinprobe auf Metalle.

Meine Erwartungen wurden übertroffen

Insgesamt war ich von der Arbeit in den chemischen Abteilungen komplett begeistert, und der Beruf als Laborant bleibt für mich definitiv eine Option. Viele meiner Erwartungen haben sich nicht nur erfüllt, sondern sie sogar übertroffen. Meine Kollegen gaben mir täglich verantwortungsvolle Aufgaben, an denen ich gewachsen bin und die mich den zum Teil harten Alltag im Labor hautnah haben miterleben lassen.

Ich bin dankbar, im Labor des TÜV Rheinland gearbeitet zu haben, da ich hier die Härte, den Stress, aber auch die Vorteile der modernen Arbeitswelt auf anschauliche und anregende Art erleben konnte. Ein Praktikum im Chemielabor kann ich deshalb jedem wärmstens empfehlen, der auch nur ein wenig Interesse an Chemie mitbringt.

Der Autor

Joschua (15) geht in die zehnte Klasse an einem Gymnasium in Köln. Das Interesse für Naturwissenschaften und Forschung hat er schon länger, einen festen Berufswunsch hat er noch nicht. Joschua engagiert sich sehr in der SV seiner Schule und verbringt die Zeit nach der Schule damit, als Sänger und mit Cello in einer Band zu spielen. Er ist League of Legends Fan, reist gerne in fremde Städte und isst für sein Leben gern (selbstgemachtes) Sushi.

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