Ich war gut vorbereitet für die Prüfung im März. Dann kam Corona. Die IHK-Zwischenprüfung wurde abgesagt und auf September verschoben. Motivation ade oder doch Motivation hallo?

Die IHK-Zwischenprüfung für Mechatroniker-Azubis

Bereits seit dem ersten Tag der Ausbildung wussten wir: Im März 2020 wird die IHK-Zwischenprüfung stattfinden und vielleicht die Spreu vom Weizen trennen. Die Zwischenprüfung stellt für uns Mechatroniker-Azubis einen wichtigen Meilenstein dar. Wir können uns als Azubis beweisen, doch die Angst vorm Versagen oder einem schlechten Abschluss schwingt immer mit. So teilte sich unsere Ausbildung von Beginn an in zwei Phasen – vor der Zwischenprüfung und danach.

Dementsprechend habe ich mich auf den theoretischen Teil der Zwischenprüfung intensiv vorbereitet, obwohl ich lange Arbeitstage habe. Ich stehe schon um fünf Uhr morgens auf, da um sieben Uhr mein Arbeitstag beginnt und ich von meinem Wohnort nach Köln-Poll fast eine Stunde Bahnfahrt und Fußweg vor mir habe. Jeden Arbeitstag – außer freitags – bin ich elf Stunden unterwegs. Abends bin ich daher oft zu müde und erschöpft, um konzentriert zu lernen.

Lehrbuch

Die heiße Lernphase – ohne Fleiß kein Preis

Etwa vier Monate vor der Prüfung im November 2019 habe ich dann angefangen, die Wochenenden zu nutzen. Ich habe mir zu Hause einen gemütlichen Arbeitsplatz eingerichtet, wo ich alles stehen und liegen lassen konnte. Mit genügend Kaffee und ausreichend Schlaf habe ich die von uns in der Lehrwerkstatt behandelten theoretischen Themen am Samstag und/oder Sonntag nachgearbeitet und in unseren Lehrbüchern mit Klebezetteln markiert. Das Lehrbuch wurde mit der Zeit immer bunter und dicker wegen der ganzen Markierungen.

Zudem habe ich mir die Themen in eigenen Worten zusammengefasst und in einer Lernmappe systematisch abgeheftet. Unter der Woche habe ich die morgendlichen Bahnfahrten genutzt, um die Zusammenfassungen auswendig zu lernen. Ich habe immer das Gefühl, dass ich ein bisschen mehr tun muss, weil insbesondere die Fachsprache für mich als Syrer schwierig zu merken ist.

Es gibt echte Wortmonster wie Automatisierungstechnik. Zudem umfasst die Ausbildung zum Mechatroniker die Bereiche Metalltechnik, Elektrotechnik, Sicherheitstechnik und Informationsverarbeitung. Viel Stoff, viele Tabellen, viele Formeln…

Motivation ade: Alles aus wegen Corona?

Der praktische Teil der Zwischenprüfung machte mir dagegen weniger Kopfzerbrechen. Bevor ich die Ausbildung bei TÜV Rheinland angefangen habe, konnte ich eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung in der TÜV-Lehrwerkstatt absolvieren.

Eine Einstiegsqualifizierung ist ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum, das auf eine Ausbildung vorbereitet. Hier wurde ich schon an die entsprechenden Ausbildungsinhalte herangeführt.
Die Einstiegsqualifizierung hat mir gezeigt, dass die Ausbildung zu mir passt, weil ich das praktische Geschick und das Interesse an dem Beruf mitbringe. Ich konnte schon vieles ausprobieren, bevor die Ausbildung überhaupt losging. Davon profitiere ich noch heute.

Durch das kontinuierliche Lernen seit November war meine Motivation für die Zwischenprüfung richtig gut. Ich wollte mir und auch unseren Ausbildern zeigen, dass ich wirklich begriffen hatte, was wir in Praxis und Theorie gemeinsam erarbeitet hatten. Doch dann kam Corona. Und kurz danach die Nachricht an uns Azubis: die Zwischenprüfung in 14 Tagen kann wegen des hohen Infektionsgeschehens nicht stattfinden. Die Prüfung wurde auf September verschoben. Das war echt ein Schlag in die Magengrube. Natürlich verstehe ich, dass man uns dem Risiko einer Infektion nicht aussetzen durfte. Und klar hat die Gesundheit immer Vorrang. Aber mein Prüfungsfahrplan war zunichte. Und meine Motivation wirklich im Keller.

Selfie

Ein Unglück kommt selten allein

Als Ausgleich hat mir die praktische Arbeit beim TÜV-Betriebseinsatz wirklich gut getan. Wie und an was in den verschiedenen Abteilungen gearbeitet wird, bietet interessante Einblicke. Auch für die Zeit nach der Ausbildung. Zurück in der Lehrwerkstatt machten wir weiter im Ausbildungsplan und lernten Neues.

Die Zwischenprüfung und das Gefühl, umsonst gelernt zu haben, versuchte ich gedanklich erst einmal zur Seite zu schieben.

Nach und nach kam dann die Erkenntnis, dass das einmal Gelernte wieder hervorgeholt werden konnte. Nachdem ich meine Aufzeichnungen wieder hervorgekramt hatte, kam auch das Gelernte zurück in meinen Kopf. Im Juli startete ich an den Wochenenden und bei den morgendlichen Bahnfahrten erneut meine Lernroutine. Und so kehrte auch die Motivation nach und nach zurück, bevor der nächste Rückschlag kam: Mir wurde mein Rucksack mit allen Büchern, mit allen Markierungen und mit allen Aufzeichnungen gestohlen. Ich dachte kurz: Das packe ich nicht. Ohne meine Aufzeichnungen kann ich in gut drei Wochen die theoretische Prüfung nicht schaffen. Doch nach einer kleineren Panikattacke hieß es, wieder rauf auf den Sattel. Weitermachen.

Motivation hallo: Gemeinsam packen wir es an

Im September stand die Prüfung endlich an. Wir waren alle ein bisschen nervös bei der theoretischen Prüfung. Die Zeit war knapp. Und ein bisschen geärgert habe ich mich im Nachhinein, weil ich einen doofen Denkfehler hatte. Dafür war die praktische Prüfung eine Woche später ein voller Erfolg. Im Endergebnis komme ich auf 82 von 100 Punkten. Meine Azubi-Kollegen und ich haben es alle geschafft. Wir sind alle zufrieden. Hätte man mich vorher gefragt, was ich mir von der Zwischenprüfung wünsche, so hätte ich gesagt: dass wir es alle schaffen. Und für mich hätte ich mir eine gute Leistung im Zweier-Bereich erhofft. Alle Wünsche sind in Erfüllung gegangen.

An dieser Stelle auch mal ein großer Dank an unsere Ausbilder. Und da spreche ich für unseren gesamten Azubi-Jahrgang: Eure Unterstützung ist wirklich toll. Ich habe das Gefühl, dass ich mit meinen Problemen und Bedenken immer einen Ansprechpartner habe. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich, aber bei uns in der Lehrwerkstatt eben doch. Und „jahaaa“ – penibles und genaues Arbeiten zahlt sich aus. Unsere Anlagen bei der praktischen Prüfung sahen echt perfekt aus.

Weiter geht’s – der Abschlussprüfung in großen Schritten entgegen

Erste Erkenntnis nach der Prüfung: Die Zeit danach war richtig gut. Wir haben uns gefeiert, Kuchen gegessen und über vieles während der beiden Prüfungswochen gelacht. Am Wochenende bin ich aufgewacht und war erleichtert, nicht an den Schreibtisch zu müssen.
Aber schon bald hat eine neue Phase für unseren Azubi-Jahrgang begonnen: NACH der Zwischenprüfung ist VOR der Abschlussprüfung. Ein Schritt geschafft und schon kommt die nächste Herausforderung. Doch ich bin sicher: Wir schaffen das. Alle gemeinsam. Und trotz Corona.

Autor des Beitrags

Kutaiba Brghol

Kutaiba Brghol

Mechatroniker-Azubi

Kutaiba Brghol ist 2016 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Nach der Sprachqualifizierung und Einstiegsqualifizierung ist er seit Sommer 2018 Mechatroniker-Azubi bei TÜV Rheinland. Gutes Essen ist wichtig und niemand kocht so gut wie Mama. Mein Karrriere-Tipp für euch lautet: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

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