Rückblende. Es ist Februar 2020. Wir befinden uns noch weitgehend in dem, was wir später „Normalität“ nennen werden. Im Rheinland fiebern die Menschen dem Straßen-Karneval entgegen. Nur von weit weg hört man ein Raunen, etwas von einem Virus. Vereinzelt fahren Leute Einkaufswagen bis oben hin gestapelt voll Toilettenpapier aus den Läden – und werden müde belächelt …

Die Prüfungsvorbereitungen laufen

In der Lehrwerkstatt starten die Vorbereitungen auf die AP1, wie wir sie nennen. Abschlussprüfung Teil 1. Denn die Prüfung der Mechatroniker ist zweigeteilt. 40 Prozent der Prüfungsleistung werden bereits nach 1 ½ Jahren erbracht, die restlichen 60 Prozent nach 3 ½ Jahren Ausbildung. Dieses Jahr sind sechs Azubis zur Prüfung angemeldet, ein zahlenmäßig starkes Lehrjahr. Werkzeug und Prüfungsmaterialien müssen dementsprechend aufgestockt werden, und für jeden Azubi ist ein ordentlicher Platz für die Vorbereitung herzurichten.

Die Kammer lässt sich mal wieder Zeit, bis sie die benötigten Teile für die Prüfung endlich bekannt gibt. Die Zeit rennt. Im April ist der große Tag. Anmeldungen kontrollieren, Bestellungen ausfüllen, Lieferungen prüfen, dreimal checken, ob auch wirklich alles Benötigte vorhanden ist. Hier sind es die Ausbilder, die schon lange vor der Prüfung mächtig ins Schwitzen kommen.

Fleiß, Schweiß und Tabellensammlungen

Die „Jungs“ spulen währenddessen ihre Prüfungsvorbereitung ab. Zusammen mit den Ausbildern werden die Prüfungen der vergangenen Jahre kritisch durchgearbeitet und auf den Kopf gestellt. Theoretisch wie praktisch. Immer wieder. Alles dreht sich um die Fragen: Was kommt bei uns dran? Könnte sich etwas davon wiederholen? Wie kann ich die erlaubten Hilfen, Formelsammlungen, Tabellenbücher, Taschenrechner, am besten nutzen?
Es werden Fähnchen eingeklebt, fehlende Daten ergänzt, alles wird „auf links gedreht“, um am großen Tag vielleicht die entscheidende Minute einzusparen, um auch die letzte Aufgabe noch bearbeiten zu können.

Prüfung

Azubis und Ausbilder auf Hochtouren

Die Ausbilder legen hier besonderen Wert darauf, dass die Jungs „heiß“ werden. Alles muss sich um die Prüfung drehen. Immer wieder werden kleine Fragerunden überraschend eingeworfen. Die Azubis müssen die Prüfung wollen. Die müssen auch nachts um 2 Uhr, wenn sie geweckt werden, die Standardfragen aus dem Effeff beantworten können. Diese Stimmung wird gezielt geschaffen, die Jungs müssen für die Prüfung motiviert werden.

Alles klappt! Unter Aufsicht werden alte Prüfungsaufbauten in Betrieb genommen, immerhin mit 400V. Geprüft wird mit 500V. Azubis und Ausbilder unter Hochspannung, hier darf jetzt nichts schiefgehen! Um die Schaltungen besser kennenzulernen, lassen die Ausbilder die Azubis sich gegenseitig Fehler einbauen. Jeder will besser als der andere sein, will den Fehler schneller finden – super, läuft. Genauso hatte ich als Ausbilder mir das gedacht! Zumindest hier…

Corona-Krise – das Aus für die Prüfung?

Denn draußen in der Welt zeigt sich mittlerweile ein anderes Bild. Das Raunen um den Virus wurde nicht nur lauter, es ist da. Ganz in der Nähe von Köln, unserem Prüfungsstandort, ist das Virus mächtig eingeschlagen. Die ersten Termine werden abgesagt, in den Supermärkten leere Regale, die Welle nimmt Fahrt auf. Eine Welle, die wir uns nie hätten vorstellen können. Unglaublich. Meine Gedanken sind aber nur bei den Jungs. Bei ihrer Prüfung. Was haben wir da an Arbeit reingesteckt. Zeit. Geld. Vor allem Mühe. Die Jungs sind in Stimmung. Die wollen abliefern! Jetzt! Denen kribbelt es in den Fingern. Bitte bitte, jetzt nur nicht die Prüfung absagen! Die waren nie besser als heute, die laufen unter Volldampf auf 150 Prozent. Aber das kann ich ihnen nicht ewig abverlangen.
Doch die Ereignisse überschlagen sich. Es wird schließlich nicht nur die Prüfung abgesagt, sondern sogar unsere Lehrwerkstatt muss aus Sicherheitsgründen vorübergehend schließen. Alle sollen auf unbestimmt Zeit ins Homeoffice. Jetzt heißt es improvisieren, und das schnell! Bloß nicht die aufgestaute Energie einfach verpuffen lassen…

Im zweiten Teil verrät euch mein Kollege Marco, wie wir in Windeseile eine digitale Ausbildung auf die Beine gestellt haben.

Autor des Beitrags

Thomas Külsen

Thomas Külsen

SENIOR ASSOCIATE CSR

Thomas Külsens Job ist es, seine Erfahrung weiterzugeben. Nach einer Ausbildung, einer Meisterprüfung, einem Maschinenbaustudium und über 25 Jahren Berufserfahrung freut er sich, sein Wissen an die jungen Kollegen weiterzugeben, Ihnen Werte vermitteln zu dürfen. Und so auch seinen Teil für die Zukunft des TÜV Rheinland zu leisten. Sein Karriere-Tipp für euch lautet: „Einfach mal machen! Anfangen! Jetzt! Alles beginnt mit einem ersten kleinen Schritt, aber den muss man machen, und nicht nur drüber reden.“

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