Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Die alltäglichsten Dinge laufen nicht mehr so ab, wie wir es gewohnt sind, Privatleben und Arbeitsalltag wurden komplett umgeworfen.

Die Ausbildung zur Chemielaborantin im Labor geht weiter

Viele Kolleg*innen haben Kurzarbeit und/oder sind im Homeoffice. Klar, wer im Büro und somit meistens am Laptop arbeitet, kann dies problemlos auch von zu Hause aus. Wir bei uns im chemischen Analytikbereich allerdings können unsere Laboranzüge, Gefahrenstoffe und Geräte nicht einfach in die Tasche packen und am Küchentisch arbeiten. Wir müssen eine andere Lösung finden.

Die Labormitarbeitenden arbeiten tatsächlich wie gewohnt weiter. Natürlich gibt es zusätzliche Hygiene-Vorschriften, von denen die Arbeit aber nicht groß beeinflusst wird. So wurden in einigen Fällen die Büros aufgeteilt, überall steht Desinfektionsmittel zur Verfügung, in der Kantine herrscht Maskenpflicht und es gilt, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Die Proben werden uns nicht mehr von den Kolleg*innen der Probenvorbereitung direkt ins Labor gebracht. Wir haben nun Sammelstellen auf den Fluren eingerichtet, damit der direkte Kontakt zwischen den Abteilungen vermieden wird.

Wie ihr seht, sind die allermeisten Abläufe gleich geblieben und so beeinflussen die Vorschriften unsere Arbeit nicht im negativen Sinne.

Im Labor

Im Homeschooling auf sich allein gestellt?

Im Labor blieb fast alles beim Alten, was man vom Unterricht in der Berufsschule nicht behaupten kann. Zu Beginn der Corona-Krise ist der Unterricht komplett ausgefallen. Wir hatten Homeschooling und mussten uns den gesamten Unterrichtsstoff selbst beibringen. Klingt zwar nervig, hat aber sehr gut funktioniert! Das größere Problem ist, dass der praktische Teil des Unterrichts wegfällt. Die ausgefallen Schulstunden können unmöglich im nächsten Ausbildungsjahr komplett nachgeholt werden. So müssen wir eben ohne die gewohnten praktischen Übungen die Prüfung bestehen. Aber gut, das sind Probleme, die mein Zukunfts-Ich lösen muss. Im hier und jetzt wurde der Schulalltag wieder aufgenommen. Jedoch nicht wie gewohnt an drei, sondern nur an zwei Tagen, damit weniger Klassen im Schulgebäude sind.

Normalerweise sind wir ca. 25 Schüler*innen in der Klasse – viel zu viele, um den Mindestabstand einzuhalten – weshalb die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt sind.

Der Theorie-Unterricht geht unter Einhaltung der Hygienevorschriften weiter, nur leider kann der praktische Teil weiterhin nicht stattfinden.

Prüfungen in Corona-Zeiten

Trotz der Schulschließung für mehrere Monate stand uns noch die theoretische und praktische Zwischenprüfung bevor, von der wir noch nicht einmal wussten, ob und – wenn ja – wann sie stattfindet. Die Prüfung, die eigentlich im Mai hätte geschrieben werden sollen, fiel jedenfalls flach.

Nicht nur täglich, zu Beginn der Corona-Krise sogar stündlich gab es neue Informationen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zur Prüfungssituation. Die Sorge unter den Azubis, ob wir überhaupt die Prüfungen ablegen können, war groß. Selbst am Tag unserer eigentlichen Prüfung wussten wir noch nicht, wie es weitergeht, und so hieß es: Geduld behalten und eifrig weiterlernen. Schließlich bekamen wir einen Prüfungstermin mitgeteilt. War die Erleichterung anfangs groß, machte der fehlende Unterricht mir und den anderen Azubis jetzt zu schaffen.

Wie sollten wir es schaffen, ohne Trainingseinheiten in der Berufsschule die praktische Prüfung zu meistern? Den wichtigsten Stoff der Zwischenprüfung (Organik) mussten wir uns zu Hause selbst beibringen. Was ist, wenn wir den Stoff nicht richtig abgedeckt haben und uns wichtige Reaktionsmechanismen, Gleichungen, chemische Gruppen falsch oder fehlerhaft angeeignet haben?! Ihr könnt euch sicher vorstellen, mit welch ungutem Gefühl ich in die Prüfung gegangen bin, obwohl ich die Wochen zuvor jede freie Minute gelernt hatte. Doch meine Azubi-Kolleg*innen und ich haben es dennoch gemeistert und alle haben eine sehr gute Note erreicht. Mir fiel erstmal ein riesen Stein vom Herzen und ich hoffe, dass die Prüfungssituation nächstes Jahr angenehmer wird.

Teamwork

Mit einem tollen Team in die Zukunft nach der Krise

Wie es genau weitergeht, weiß niemand so genau. Unsere Berufsschule stellt sich auf weiteren Online-Unterricht ein, und die praktischen Einheiten, die vor allem für die Abschlussprüfung wichtig sind, können leider weiterhin nicht stattfinden oder wiederholt werden.

Zum Glück haben wir ein unterstützendes Team im Betrieb an der Seite. Zwei super nette Kollegen aus unserer Abteilung haben uns geholfen, den versäumten praktischen Unterricht nachzuholen.

So haben wir nun erfolgreich die Zwischenprüfung bestanden und ich bin mir sicher: Wenn wir alle zusammenhalten, kommen wir sogar in der Corona-Krise an unser Ziel, die Abschlussprüfung zu bestehen.

Autorin des Beitrags
Katharina Bayer

Katharina Bayer

Auszubildende

Katharina Bayer ist Auszubildende zur Chemielaborantin in Nürnberg. Auch als Azubine ist sie ein gleichwertiges Mitglied im Laborteam und übernimmt Aufgaben in der Analytik. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Bestimmung von organischen und anorganischen Gefahrstoffen wie Schwermetalle (z.B. Blei, Quecksilber, Arsen) und organische Verbindungen (z.B. Weichmacher). Neben der Chemie schlägt Katharinas Herz für Rheinische Garde- und Showtanz und sie nimmt international an Wettkämpfen teil. In ihrer Freizeit geht sie auch gern auf Festivals und Konzerte, trifft sich mit Freunden in der Bar und freut sich immer über gutes Essen.

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