Eine der am häufigsten gestellten Fragen von Bewerber*innen während eines Vorstellungsgesprächs lautet: „Welche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet TÜV Rheinland?“ Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die sogenannte VUCA-Welt – ein zunehmend unbeständiges, unsicheres, komplexes und mehrdeutiges Umfeld (engl. volatile, uncertain, complex, ambiguous) – von Mitarbeitenden und Führungspersonen neue Skills einfordert. Wer sich weiterbildet, ist besser für die sich stetig ändernden Gegebenheiten im Beruf gewappnet.

Gute Gründe für eine Weiterbildung

Die Motive, eine Weiterbildung anzustreben, sind unterschiedlich: die einen möchten ihr vorhandenes Wissen ergänzen oder vertiefen. Manchmal ist es der Wunsch nach beruflicher Veränderung, da man sich plötzlich am Scheideweg seiner Karriere befindet. Bei mir persönlich war es der lange gehegte Wunsch, das Wirtschaftspsychologiestudium doch noch in Angriff zu nehmen. Üblicherweise werden zunächst Schulungen, Zertifizierungen und Workshops als mögliche Weiterentwicklungsoptionen betrachtet. Eine weitere Möglichkeit stellt ein berufsbegleitendes Studium dar.

Motiviert bleiben im berufsbegleitenden Studium

Ein berufsbegleitendes Studium verhilft zu neuen Qualifikationen und steigert den eigenen Marktwert. Nicht zuletzt kann es den ersehnten Karriere-Aufschwung ermöglichen. Dennoch schrecken einige vor diesem Bildungsweg zurück, da Sorge besteht, dieser zusätzlichen Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Die Frage „Schaffe ich das überhaupt?“ ist berechtigt. Zwischen beruflichen Verpflichtungen, Terminstakkato und Privatleben ein Studium unterzubringen, ist nicht immer leicht. Dennoch sollten diese Gründe nicht gegen ein nebenberufliches Studium sprechen. Nicht umsonst heißt es: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wichtig:

Überlege dir, in welchem Bereich du dein Wissen erweitern möchtest.

 

Hast du ein Themengebiet gefunden, was dich wirklich interessiert, fällt insbesondere das Lernen für Klausuren oder das Schreiben von Hausarbeiten leichter. Sinnvoll ist auch, ein klares Ziel zu definieren, warum du ein Studium absolvieren möchtest. Dieses solltest immer im Auge behalten, wenn die Low-light Phase im Studium eintritt. Und Ja, die wird leider kommen. Das persönliche Ziel und Interesse an einem Thema sind starke Motivatoren, die dich wieder auf Kurs bringen und helfen, schwierige Phasen zu überwinden.

Berufsbegleitendes Studium – darauf solltest du dich vorbereiten

Steht der Entschluss fest, gilt es sich intensiv mit der persönlichen Lebenssituation auseinanderzusetzen und zu überlegen, ob und wie die Balance zwischen privaten und beruflichen Verpflichtungen sowie Studium zu schaffen ist. Über folgende Punkte solltest du dir auf jeden Fall Gedanken machen:

Das passende Studienmodell

Es gibt unterschiedliche Studienmodelle. Fern- und Präsenzstudium sind die gängigsten. Ein Fernstudium ist besonders geeignet, wenn das Maximum an Flexibilität gewünscht ist. Die Teilnahme an Lehrveranstaltungen oder Prüfungen können zeit- und ortsunabhängig erfolgen. Die notwendigen Lernmaterialien werden postalisch oder digital übermittelt. Studierende bereiten sich eigenständig auf Abgaben oder Prüfungen vor.

Benötigst du einen vorgegebenen Ablaufplan und/oder bevorzugst Lehrpersonen, die den Inhalt vermitteln, ist vielleicht ein Präsenzstudium besser für dich geeignet. In der Regel halten Lehrende Vorlesungen im Rahmen von Abend- und Wochenendkursen zu festgelegten Uhrzeiten. Dieses Studienmodell bietet den Vorteil, dass du Kommilitonen und Kommilitoninnen kennenlernen wirst, die mit dir gemeinsam durch die Studienzeit gehen.

Du musst dir also überlegen, welcher Lerntyp du bist. Siehst du dich in der Lage, sämtliche Inhalte eigenständig zu lernen oder benötigst du doch Unterstützung durch Lehrpersonen oder Kommiliton*innen? Und welches Modell passt zu deinem Beruf? Ist es für dich möglich, zwei bis dreimal pro Woche einen Abendkurs ab 18 Uhr zu besuchen oder ist dein Beruf nur mit einem orts- bzw. zeitunabhängigen Studium vereinbar?

Finanzierung

Ein berufsbegleitendes Studium kostet und kann ein Loch ins Haushaltsbuch reißen. Es ist also essenziell, vorab die finanziellen Mittel zu klären. Insbesondere wenn nicht nur du als Studierende*r vom Verdienst abhängig bist, sondern auch eine Familie oder ein*e Partner*in.

Die Studienpreise variieren stark je nach Hochschule, vergleiche daher unterschiedliche Angebote. Zusätzlich helfen Stipendien oder weitere öffentliche Förderungen, die finanziellen Ressourcen aufzustocken. Hierfür müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllt sein, um diese Mittel beantragen zu können. Informiere dich über deine Möglichkeiten.

Verzicht

Autsch! Während deine Freunde zusammen das Wochenende genießen (natürlich außerhalb von Corona), wirst du am Schreibtisch sitzen und büffeln. Du solltest dir im Klaren darüber sein, dass viele Freizeitaktivitäten hintenanstehen müssen. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem das Verzichten nervt. Nichtsdestotrotz, neben all dem Verzicht darf die Unvernunft auch ab und an siegen. Alles andere wäre nur ungesund.

Mein Tipp: Involviere deine Freunde und Familie. Erkläre ihnen, was es bedeutet ein Studium neben dem Beruf zu absolvieren. Beziehst du dein Umfeld in deine Entscheidung und den Verlauf mit ein, ist das Verständnis höher, wenn du zur anstehenden Geburtstagsfeier einmal nicht kommen kannst.

Disziplin

Dieser Punkt sollte nicht unterschätzt werden. Sich der Notwendigkeit von Disziplin bewusst zu sein ist leicht. Sie zu bewahren hingegen ist schwer. Es ist leichter, eine Klausur ausfallenzulassen und nach hinten zu verschieben. Aber schwerer, wenn plötzlich fünf Nachschreibklausuren in einem Semester absolviert werden müssen. Daher halte möglichst deinen Klausurplan ein und verfalle nicht in „Klausur-Schieberitis“.

Das Gute ist: Du hast dich für das Studium entschieden, weil du es willst. Und das ist ein großer Motivations- und Durchhaltefaktor. Ich hatte viel Spaß daran, neue Themen zu entdecken, Kommilitonen und Kommilitoninnen kennenzulernen und letztlich durch das Lernen mein Hirn auf Trapp zu halten.

Meine Erfahrungen im berufsbegleitenden Studium

Ich würde gerne sagen, dass ich es nie bereut habe, das Studium angegangen zu sein. Das wäre gelogen, denn es gab Zeiten, in denen ich abbrechen wollte. Lebenssituationen ändern sich und schon funktioniert der eigentliche Zeitplan nicht mehr oder die Kraft lässt einfach nach. Hier hat es mir immer geholfen, sich mit der Familie, Freund*innen und Kolleg*innen auszutauschen und neue Energie zu tanken.

Vor Kurzem habe ich meine Thesis abgegeben und kann sagen, dass ich stolz bin, das geschafft zu haben. Und wie heißt es immer so schön? Rückblickend war es gar nicht so schlimm. 🙂

Sprich mich gerne an

Wenn du an einem Erfahrungsaustausch zum Thema berufsbegleitendes Studieren interessiert bist, sprich mich gerne über LinkedIn oder XING an.

Autor des Beitrags

Franziska Scharpel

Franziska Scharpel

Recruiterin

Franziska Scharpel ist als Recruiterin auf den Bereich IT spezialisiert. Von Cybersecurity-Expert*innen über Berater*innen für Cybersecurity-Dienstleistungen bis hin zu Fachkräften für Functional Safety und Operational Technology. Auch Software-Entwickler*innen und IT-Projektmanager*innen gehören zu Franziskas Zielgruppe. Jeden Morgen strahlt die Kölnerin der nur zwei Kilometer entfernte TÜV-Tower von ihrem Fenster aus an. Nebenher studiert sie berufsbegleitend Wirtschaftspsychologie. Als echter Sommermensch zieht es sie bei gutem Wetter nach draußen an den Rhein mit einem Psychothriller-Buch oder in den Garten, um mit Freunden und Familie zu grillen.

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